Riester – das ist so ein Thema, bei dem jeder eine Meinung hat. "Bringt nix." "Zu teuer." "Die Gebühren fressen alles auf." Und ja, für viele Leute stimmt das. Aber für bestimmte Konstellationen ist Riester nach wie vor eine der absurdesten Renditen, die du mit legalen Mitteln kriegen kannst. Lass mich erklären.
Wie Riester funktioniert (Kurzversion)
Du zahlst 4% deines Vorjahresbrutto in einen Riester-Vertrag ein (maximal 2.100 EUR/Jahr inklusive Zulagen). Dafür bekommst du:
- Grundzulage: 175 EUR/Jahr vom Staat geschenkt
- Kinderzulage: 300 EUR pro Kind (geboren ab 2008), 185 EUR für ältere Kinder
- Oder: Steuerliche Absetzbarkeit als Sonderausgaben (was günstiger ist, prüft das Finanzamt automatisch)
Für wen sich Riester brutal lohnt
Geringverdiener mit Kindern
Das ist die Killer-Kombo. Beispiel: Alleinerziehend, 25.000 EUR brutto, 2 Kinder. Eigenbeitrag: nur 60 EUR/Jahr (Sockelbetrag). Zulagen: 175 + 2×300 = 775 EUR/Jahr. Du zahlst 60 und bekommst 775. Das ist eine Rendite von über 1.000% – ohne Witz.
Gutverdiener wegen Steuerersparnis
Bei 70.000 EUR brutto und Spitzensteuersatz bringt die Sonderausgabenabsetzung mehr als die Zulagen. Du zahlst 2.100 EUR ein und bekommst über die Steuererklärung ca. 800-900 EUR effektiv zurück (abzüglich Zulagen, die gegengerechnet werden). Immer noch ne starke Rendite.
Rechenbeispiel: Familie, 2 Kinder, 40.000 EUR brutto
Eigenbeitrag: 4% von 40.000 = 1.600 EUR minus Zulagen (775 EUR) = 825 EUR/Jahr Eigenbeitrag
Zulagen pro Jahr: 175 + 300 + 300 = 775 EUR
Staatliche Förderquote: 775 / 1.600 = 48%
Für wen Riester eher nix ist
Singles mit mittlerem Einkommen ohne Kinder
175 EUR Zulage bei 2.100 EUR Eigenbeitrag – das sind 8%. Klingt erstmal okay, aber wenn man die oft hohen Vertragskosten (0,5-1,5% p.a.) gegenrechnet und die nachgelagerte Besteuerung in der Rente, bleibt wenig übrig. Ein steuergünstiger ETF-Sparplan fährt hier meistens besser.
Selbstständige (meistens)
Selbstständige sind in der Regel nicht unmittelbar förderberechtigt. Ausnahme: Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung oder Ehepartner von Förderberechtigten (mittelbar förderberechtigt – brauchen nur den Sockelbetrag von 60 EUR/Jahr).
Das Problem mit Riester-Verträgen
Die Idee von Riester ist gut. Die Umsetzung durch die Versicherungsbranche ist... naja. Die häufigsten Probleme:
- Hohe Kosten: Viele Verträge haben Abschluss- und Verwaltungskosten, die die Rendite auffressen
- Schlechte Produkte: Klassische Riester-Rentenversicherungen liefern grottige Renditen
- Beitragsgarantie kostet Performance: Weil 100% der Einzahlungen garantiert sein müssen, kann kaum in Aktien investiert werden
- Unflexibel: Geld ist bis zur Rente gebunden (Ausnahme: Wohn-Riester für Immobilienkauf)
Die Lösung: Riester-Fondssparplan
Wenn Riester, dann am besten als Fondssparplan mit niedrigen Kosten. Die fairriester / DWS Riester-Produkte sind halbwegs brauchbar. Finger weg von Versicherungslösungen mit 4% Abschlusskosten – da arbeitet man die ersten Jahre nur für den Vermittler.
Wohn-Riester: Die Hintertür für Immobilienkäufer
Ein Hack, den viele nicht kennen: Du kannst das Riester-Guthaben für eine selbstgenutzte Immobilie entnehmen (mindestens 3.000 EUR). Das Geld fließt in Tilgung oder Kauf und wird erst in der Rente nachversteuert. Für Familien mit Kindern, die bauen wollen, ist das quasi geschenktes Eigenkapital.
Fazit: Die goldene Regel
Riester lohnt sich, wenn dein Eigenanteil niedrig ist und die Zulagen hoch. Je mehr Kinder und je niedriger dein Einkommen, desto besser das Verhältnis. Für kinderlose Gutverdiener kann sich's trotzdem über die Steuer lohnen – aber da gibt's mittlerweile bessere Alternativen (ETF-Nettopolice, betriebliche Altersvorsorge).
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